Nach meinem Frühstück im Hotel, ging’s gleich los Richtung Industriestraße. Die Straße geht direkt vom Bocholter Bahnhof ab und nachdem ich mittlerweile einen Stadtplan hatte, hab ich den auch wieder gefunden. Von dort aus bin ich zur Industriestraße Nummer 1, die nicht (wie Google Maps behauptet) auf der rechten Straßenseite zu finden ist (die hab ich etwa 100m abgesucht, bis ich die erste Nummer gefunden hab), sondern sich auf der linken Seite befindet.
Dort traf ich den ersten Teilnehmer der Veranstaltung, bei dem ich mir zuerst nicht sicher war, ob er vielleicht der Dozent ist. Wir haben vor der Tür eine geraucht, er war so ungefähr um die 40. Das hat mich schon etwas gewundert, aber egal. War zumindest ein ganz netter Mensch, ein bisschen verplant und mit ner zerstreuten Frisur.
Dann ging’s ab nach drinnen. Ich wusste ja schon, dass die Veranstaltung in den Räumen einer Firma
stattfinden wird. Es handelt sich um die Firma Herding, die mir bis dahin gar nichts gesagt hat. Man musste einer Beschilderung durch’s halbe Gebäude folgen, um dann in einen großen Ausstellungsraum zu kommen. An der Stirnseite des Raumes stand ein großer Konferenztisch und es saßen schon ein paar Leute dran. An den Seiten des Raumes standen jeweils 5 Betten. Häh? Betten? Ja, richtig. Da standen Betten mit verschiedenen Kinder-Bettwäschen rum. Das war doch n bisschen merkwürdig, aber bitte. Is mal was anderes.
Am Konferenztisch saßen schon ein paar Leute, der Dozent war noch nicht da. Ein paar haben sich unterhalten und es wurde ne Runde gemacht, wo man denn so herkommt und bla bla. Insgesamt sind 12 Studenten bei der Veranstaltung. Zu meiner Überraschung waren die ganzen anderen Studenten wesentlich älter als ich. Meiner Schätzung nach war die jüngste etwa 26 Jahre alt und der Rest hauptsächlich Anfang/Mitte 30. Eine Frau sticht noch mehr heraus: Ich hab sie so auf Ende 40/Anfang 50 geschätzt. Ehrlich gesagt habe ich ja schon erwartet, dass zumindest ein oder zwei Leute dabei sind, die so grob in meiner Altersklasse sind.
Dann kam (exakt pünktlich) Prof. Dr. Loock. Er wirkt von Anfang an sehr sympathisch und offen. Zuerst hat er erzählt, warum wir in diesem Raum mit Betten rumsitzen: Er ist der Inhaber der Firma Herding, ein Familienunternehmen, dass ganz vorne mitspielt in der Textilindustrie. Auf jeden Fall kommt Hr. Prof. Dr. Loock aus Bocholt. Er hat ein bisschen was über die Stadt erzählt, die ja genau an der holländischen Grenze liegt. Früher war Bocholt ein beliebtes Reiseziel für Gelegenheitskiffer, die sich über die „grüne Grenze“ nach Holland aufgemacht haben.
Danach ging’s weiter mit einer Vorstellungsrunde. Die Leute sollten sich kurz vorstellen, warum sie dieses Studium machen und so. Da merkt man dann wer ein gesteigertes Mitteilungsbedürfnis hat. Es war wirklich krass, von was manche Leute denken, dass es die anderen interessieren könnte. Nach zwei oder drei Leuten fing ich an mich zu fühlen wie in einer Selbsthilfegruppe. Ein grober Auszug eines Teilnehmers: „Erst hab ich Jura studiert, das hab ich aber nicht ganz geschafft. Danach hab ich dann BWL gemacht, da hab ich aber dann nach ein paar Jahren gemerkt, dass es mir doch nicht so gefällt. Dann hab ich …“ Wie ja allein das Alter der Leute verrät, ist es eben bei den meisten nicht die erste Ausbildung, die sie machen.
Einige kommen vom Theater (Schauspiel oder Regie) und erzählen, dass sie das Studium machen, weil sie finden dass in ihren Theatern einiges nicht so toll läuft. Aus der Konzertrichtung kommt keiner. Naja, einer ist ausgebildeter Kirchenmusiker, aber das hat mit Veranstaltungsmanagement ja auch nicht so viel zu tun. Die ältere Frau ist Bibliothekarin und findet, dass sich das Studium in ihren Bewerbungsunterlagen gut machen würde, weil sie seit längerem nirgends genommen wurde.
Ein Unterschied zwischen den verschiedenen anwesenden ist ja, dass wir verschiedene Studienabschlüsse im selben Fachgebiet anstreben. Als Kultur- und Medienmanagement-Fernstudienarten bietet das Institut KMM folgende Abschlüsse an:
- Bachelor (grundständiges Studium, Erststudium)
- Diplom (Aufbaustudium, weiterbildendes Studium)
- Zertifikat (Kurzstudium, nur einzelne Elemente ohne staatlichen Abschluss)
Bei der Veranstaltung waren nur wenige dabei, die wie ich das Bachelor-Studium machen. Das fand ich ziemlich schade, weil ich ja gehofft habe, dass ich mit irgendjemand Kontakte knüpfen kann, der dasselbe macht wie ich.
Zu Beginn des inhaltlichen Teils mussten alle einzeln einen 10-Fragen-Test ausfüllen. Dafür hatte man 20 Minuten Zeit.
Es kamen Fragen wie: Definieren Sie „Kultur“. Erklären Sie den Begriff „Marketing“. Wie nennt man die Ressortchefs der Kulturpolitik in den Bundesländern?
Eigentlich sollte man das ja alles ziemlich leicht beantworten können, aber einpaar Sachen fand ich trotzdem schwierig. Zum Glück diente der Test nur zur anschließenden Diskussion z.B. über den Kultur-Begriff.
Die Veranstaltung wurde insgesamt gegliedert in die Bereiche „Betrieb - Organisation- Management“, „Gesellschaft und Politik“, „Kultur- und Medienfinanzierung“ und „Kultur- und Medienmarketing“. Wir hatten eine Art Skript, wobei es eher eine ausgedruckte PowerPoint-Präsentation war, um allem zu folgen. Außerdem hab ich natürlich mitgeschrieben. Im Laufe der Veranstaltung haben wir noch ne Menge Material mitbekommen z.B. über das Neue Steuerungsmodell in öffentlich-rechtlichen Kultureinrichtungen (hatte ich noch nie was von gehört).
Da man ja zu einer bestimmten Anzahl von Präsenzveranstaltungen Hausarbeiten verfassen muss (im 1.Semester: zu 2 von insgesamt 3), wurde zum Schluss darauf hingewiesen, dass man auch zu dieser Veranstaltung eine Hausarbeit anfertigen kann. Da es sich ja um eine recht allgemein gehaltene Veranstaltung handelt, kann man sich das Themengebiet aussuchen. Um eine Hausarbeit anzufertigen muss man sich innerhalb von 14 Tagen bei Hr. Loock melden und ein dahingehendes Interesse bekunden. Man kann eigene Themenvorschläge einreichen oder sich Themen vorschlagen lassen. Ich denke darüber nach eine Hausarbeit zu dieser Veranstaltung zu schreiben.
Alles in allem war die Veranstaltung ganz interessant. Zu Mittag war ich mit drei anderen Studenten beim Essen. Dort haben sie dann aber über ihre Kinder und solche Sachen geredet, da musste ich doch feststellen, dass wir nicht besonders viel gemeinsam haben. Ich hab auch im Endeffekt mit niemandem Adressdaten oder so ausgetauscht, aber ich hätte wohl auch mit niemandem ernsthaft Kontakt gehalten.
Ich hatte ja gehofft, dass nach der Veranstaltung (Ende war so um 18 Uhr) noch was unternommen wird, wie zusammen essen gehen, aber es sind eigentlich alle gleich gefahren, als es zu Ende war.
Nach der Veranstaltung hatte ich dann noch die Möglichkeit mir mit Hr. Prof. Dr. Loock zu unterhalten. Ich habe mich erkundigt, ob es in Zukunft noch mehr Angebote für die Bereiche „Musik“ und „Veranstaltungen“ geben wird, da das ja mögliche Schwerpunktthemen des Studiengangs sind und es dazu noch keine konkreten Studienbriefe gibt, sondern bisher nur Präsenzveranstaltungen. Er hat mir darauf versichert, dass sie gerade daran sind das Angebot in diesem Bereich auszubauen und ich im Laufe des nächsten Semesters damit rechnen kann, dass neue Studienbriefe erscheinen werden. Das ist auf jeden Fall eine erfreuliche Nachricht, da ich gerne mehr in diesem konkreten Bereich lernen würde.